
DIE EIDESLEISTUNG
DERICK BAEGERT
Derick Baegert
WIE DAS BILD ENTSTAND
Ein Eintrag im Rechnungs-Buch der Stadt Wesel ist wichtig. Er sagt: Derick Baegert hat eine Tafel gemalt. Diese Tafel hängt jetzt im Rats-Zimmer.
Dieser Eintrag zeigt: Das Bild entstand im Jahr 1494.
Das Bild ist ein Gerichts-Bild. Es war für das neue Rathaus in Wesel. Das Rathaus stand am Großen Markt.
Derick Baegert - Die Eidesleistung
STADTARCHIV WESEL
Bestand A7 Nr. 109 Folio 540v.
Derick Baegert
GERICHT IM RATHAUS
Bis zum Jahr 1493 war das Gericht öffentlich. Es fand täglich auf dem Markt-Platz statt. Das war nah beim Dom.
Der Rat und die Bürger von Wesel wollten das ändern. Sie baten darum: Das Gericht soll ins Rathaus ziehen. Der Herzog Johann III. gab die Erlaubnis.
Danach wurde das Bild beauftragt. Es sollte das Urteil zeigen.
Derick Baegert
BEZAHLUNG UND STREIT
Der Auftrag wurde mit einem Wein-Geschenk bestätigt. Das waren 12 Liter Wein.
In den Rechnungs-Büchern von 1493/94 steht noch mehr. Es steht dort: Der Bild-Schnitzer Heinrich Berndtz lieferte die Holz-Tafel. Es steht dort: Wie das Bild bezahlt wurde.
Der Maler Baegert war un-zufrieden.
Er forderte 25 Gold-Gulden für seine Arbeit.
Der Rat zahlte ihm aber nur 15 Gold-Gulden.
Die Rechnungs-Bücher zeigen auch:
Es wurden schnell weitere Arbeiten für den Gerichts-Saal beauftragt. Zum Beispiel: die Ver-kleidung vom Saal und der Richter-Bank.
Derick Baegert
DAS BILD
Seit langer Zeit gehören Bilder zu Gerichts-Sälen. Diese Bilder sollten die Richter und Bürger an die Gerechtigkeit erinnern.
Es gibt zwei Arten von Bildern:
- Bilder, die das Welt-Gericht zeigen.
- Bilder, die weltliche Gerichts-Szenen mit christlichen Themen verbinden.
Das Bild von Derick Baegert gehört zu diesen Werken.
Derick Baegert
WAS IST ZU SEHEN?
Der heutige Name des Bildes ist Eides-Leistung. Das Bild zeigt, wie ein Mann einen Eid schwört.
Der Maler hat die Szene in einer neuen Art gemalt. Er zeigt uns das Leben der Menschen am Ende des Mittel-alters.
Im Vorder-Grund steht der Mann, der schwört.
Der Maler zeigt uns, was der Mann denkt.
Dafür stellt er dem Mann zur Seite:
Den Teufel: Er ist das Böse.
Einen Engel: Er ist das Gute.
Derick Baegert
DER STREIT UM DIE SEELE
Begleit-Sprüche sind wie Sprech-Blasen auf dem Bild:
Der Teufel hält die Hand des Mannes fest. Er will, dass der Mann falsch schwört.
Der Engel erinnert den Mann: Er darf nicht falsch schwören. Sonst ist seine Seele in Gefahr.
Ein dritter Spruch ist oben im Bild. Dort steht auch eine Warnung vor dem falschen Schwören.
Der Richter zeigt mit dem Arm auf ein kleines Bild im Bild.
Es zeigt: Wer falsch schwört, wird beim Jüngsten Gericht bestraft.
Das Spruchband im mittelalterlichen Niederrheinisch
HÖRBEISPIEL
Derick Baegert
DIE GERICHT-SZENE
Die Sprüche zeigen die Lehre des Bildes.
Das Bild zeigt eine echte Verhandlung.
Der Richter und seine Helfer sitzen auf einem Podest.
Sie tragen teure Kleider.
Der Maler hat echtes Gold und Silber in die Kleider gemalt.
Im Vorder-Grund stehen die Streit-Parteien. Baegert zeigt viele verschiedene Leute aus der Stadt Wesel:
Geistliche (Kirche)
Kauf-Leute
Bürger
Gerichts-Angestellte
Derick Baegert
DIE LEHRE
Das Bild sieht sehr echt aus, wie eine Gerichts-Verhandlung. Aber durch den Teufel und den Engel ist es auch eine Lehr-Geschichte.
Es soll die Bürger vor dem wirklichen Gericht in Wesel warnen.
Derick Baegert
MATERIAL UND TECHNIK
Die Tafel wurde von dem Bild-Schnitzer Heinrich Berndtz gemacht.
Sie besteht aus vier dünnen Eichen-Brettern.
Die Bretter wurden ver-leimt und mit Holz-Dübeln verbunden.
Der ursprüngliche Rahmen ist nicht mehr da.
Derick Baegert
DIE FARBEN
Die Tafel wurde mit einer Grundierung aus Leim und Kreide vorbereitet.
Die Vor-Zeichnung (erste Zeichnung) kann man heute durch-scheinen sehen.
Der Maler hat wenig verändert, weil die Vor-Zeichnung sehr genau war.
Danach kamen zwei bis drei Schichten Farbe auf das Bild.
Derick Baegert
DIE FARB-ARBEIT
Zuerst eine mittlere Farbe (Mittel-Ton).
Dann durch-sichtige Farb-Schichten für große Flächen.
Zuletzt die feinen Malereien.
Der Maler benutzte zwei Arten von Farben: eine mit Ei und eine mit Öl gemischt.
Derick Baegert
PRESS-BROKAT
Eine Besonderheit ist der sogenannte Press-Brokat. Das ist ein Muster aus echtem Gold und Blatt-Silber. Es sieht aus wie ein gewebter und teurer Stoff. Die Gewänder vom Richter und den Schöffen sind so gemacht.
Derick Baegert
WIE WURDE DAS GEMACHT?
Ein Holz-Model drückte das Muster in eine Zinn-Folie.
Die Folie wurde mit Silber oder Gold belegt.
Man konnte die Teile dann zum großen Muster zusammen-fügen.
Derick Baegert
DER MALER DERICK BAEGERT
Die Familie von Derick Baegert lebte schon lange in Wesel. Er hatte eine eigene Werk-statt. Er war zur Zeit der Eides-Leistung ein reicher Bürger. Die Eides-Leistung ist eines der wenigen Werke, die sicher von ihm sind. Es ist sein einziges erhaltenes Bild, das kein Kirchen-Bild ist. Man kennt noch etwa 40 weitere Bilder von ihm.
Derick Baegert
WOHER ER LERNTE
Wesel war eine Hanse-Stadt. Das ist eine wichtige Handels-Stadt. Baegert lernte von Malern aus den Nieder-landen und West-falen.
Er lernte eine neue Öl-Malerei. Sie machte Bilder sehr wirk-lich-keits-nah.
Er lernte so zu malen:
Figuren, die echt aussehen.
Stoffe und Haut, die sich echt anfühlen.
Das Spiel mit Licht und Schatten.
Der Evangelist Lukas malt die Muttergottes (»Lukasmadonna«)
DERICK BAEGERT
um 1480/1485, LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster, PDM 1.0
Derick Baegert
EIN BESONDERER AUFTRAG
Baegert bekam den Auftrag, eine Lukas-Madonna zu malen. Das Bild war für den Altar seiner Maler-Gilde St. Lukas. Baegert war Mitglied in dieser Gilde.
Die Lukas-Madonna ist sein einziges Bild mit einer Unter-schrift. Auf einer Vase im Bild steht: BAEG.
Manche Leute sagen: Baegert hat sich selbst in einem seiner Bilder gemalt. Das kann man nicht sicher beweisen.
Er war ein sehr guter Meister in der reichen Stadt-Gemeinde am Nieder-rhein.

Derick Baegert
WIE DAS BILD ENTSTAND
Ein Eintrag im Rechnungs-Buch der Stadt Wesel ist wichtig. Er sagt: Derick Baegert hat eine Tafel gemalt. Diese Tafel hängt jetzt im Rats-Zimmer.
Dieser Eintrag zeigt: Das Bild entstand im Jahr 1494.
Das Bild ist ein Gerichts-Bild. Es war für das neue Rathaus in Wesel. Das Rathaus stand am Großen Markt.
Derick Baegert - Die Eidesleistung
STADTARCHIV WESEL
Bestand A7 Nr. 109 Folio 540v.
Derick Baegert
GERICHT IM RATHAUS
Bis zum Jahr 1493 war das Gericht öffentlich. Es fand täglich auf dem Markt-Platz statt. Das war nah beim Dom.
Der Rat und die Bürger von Wesel wollten das ändern. Sie baten darum: Das Gericht soll ins Rathaus ziehen. Der Herzog Johann III. gab die Erlaubnis.
Danach wurde das Bild beauftragt. Es sollte das Urteil zeigen.
Derick Baegert
BEZAHLUNG UND STREIT
Der Auftrag wurde mit einem Wein-Geschenk bestätigt. Das waren 12 Liter Wein.
In den Rechnungs-Büchern von 1493/94 steht noch mehr. Es steht dort: Der Bild-Schnitzer Heinrich Berndtz lieferte die Holz-Tafel. Es steht dort: Wie das Bild bezahlt wurde.
Der Maler Baegert war un-zufrieden.
Er forderte 25 Gold-Gulden für seine Arbeit.
Der Rat zahlte ihm aber nur 15 Gold-Gulden.
Die Rechnungs-Bücher zeigen auch:
Es wurden schnell weitere Arbeiten für den Gerichts-Saal beauftragt. Zum Beispiel: die Ver-kleidung vom Saal und der Richter-Bank.
Derick Baegert
DAS BILD
Seit langer Zeit gehören Bilder zu Gerichts-Sälen. Diese Bilder sollten die Richter und Bürger an die Gerechtigkeit erinnern.
Es gibt zwei Arten von Bildern:
- Bilder, die das Welt-Gericht zeigen.
- Bilder, die weltliche Gerichts-Szenen mit christlichen Themen verbinden.
Das Bild von Derick Baegert gehört zu diesen Werken.
Derick Baegert
WAS IST ZU SEHEN?
Der heutige Name des Bildes ist Eides-Leistung. Das Bild zeigt, wie ein Mann einen Eid schwört.
Der Maler hat die Szene in einer neuen Art gemalt. Er zeigt uns das Leben der Menschen am Ende des Mittel-alters.
Im Vorder-Grund steht der Mann, der schwört.
Der Maler zeigt uns, was der Mann denkt.
Dafür stellt er dem Mann zur Seite:
Den Teufel: Er ist das Böse.
Einen Engel: Er ist das Gute.
Derick Baegert
DER STREIT UM DIE SEELE
Begleit-Sprüche sind wie Sprech-Blasen auf dem Bild:
Der Teufel hält die Hand des Mannes fest. Er will, dass der Mann falsch schwört.
Der Engel erinnert den Mann: Er darf nicht falsch schwören. Sonst ist seine Seele in Gefahr.
Ein dritter Spruch ist oben im Bild. Dort steht auch eine Warnung vor dem falschen Schwören.
Der Richter zeigt mit dem Arm auf ein kleines Bild im Bild.
Es zeigt: Wer falsch schwört, wird beim Jüngsten Gericht bestraft.
Das Spruchband im mittelalterlichen Niederrheinisch
HÖRBEISPIEL
Derick Baegert
DIE GERICHT-SZENE
Die Sprüche zeigen die Lehre des Bildes.
Das Bild zeigt eine echte Verhandlung.
Der Richter und seine Helfer sitzen auf einem Podest.
Sie tragen teure Kleider.
Der Maler hat echtes Gold und Silber in die Kleider gemalt.
Im Vorder-Grund stehen die Streit-Parteien. Baegert zeigt viele verschiedene Leute aus der Stadt Wesel:
Geistliche (Kirche)
Kauf-Leute
Bürger
Gerichts-Angestellte
Derick Baegert
DIE LEHRE
Das Bild sieht sehr echt aus, wie eine Gerichts-Verhandlung. Aber durch den Teufel und den Engel ist es auch eine Lehr-Geschichte.
Es soll die Bürger vor dem wirklichen Gericht in Wesel warnen.
Derick Baegert
MATERIAL UND TECHNIK
Die Tafel wurde von dem Bild-Schnitzer Heinrich Berndtz gemacht.
Sie besteht aus vier dünnen Eichen-Brettern.
Die Bretter wurden ver-leimt und mit Holz-Dübeln verbunden.
Der ursprüngliche Rahmen ist nicht mehr da.
Derick Baegert
DIE FARBEN
Die Tafel wurde mit einer Grundierung aus Leim und Kreide vorbereitet.
Die Vor-Zeichnung (erste Zeichnung) kann man heute durch-scheinen sehen.
Der Maler hat wenig verändert, weil die Vor-Zeichnung sehr genau war.
Danach kamen zwei bis drei Schichten Farbe auf das Bild.
Derick Baegert
DIE FARB-ARBEIT
Zuerst eine mittlere Farbe (Mittel-Ton).
Dann durch-sichtige Farb-Schichten für große Flächen.
Zuletzt die feinen Malereien.
Der Maler benutzte zwei Arten von Farben: eine mit Ei und eine mit Öl gemischt.
Derick Baegert
PRESS-BROKAT
Eine Besonderheit ist der sogenannte Press-Brokat. Das ist ein Muster aus echtem Gold und Blatt-Silber. Es sieht aus wie ein gewebter und teurer Stoff. Die Gewänder vom Richter und den Schöffen sind so gemacht.
Derick Baegert
WIE WURDE DAS GEMACHT?
Ein Holz-Model drückte das Muster in eine Zinn-Folie.
Die Folie wurde mit Silber oder Gold belegt.
Man konnte die Teile dann zum großen Muster zusammen-fügen.
Derick Baegert
DER MALER DERICK BAEGERT
Die Familie von Derick Baegert lebte schon lange in Wesel. Er hatte eine eigene Werk-statt. Er war zur Zeit der Eides-Leistung ein reicher Bürger. Die Eides-Leistung ist eines der wenigen Werke, die sicher von ihm sind. Es ist sein einziges erhaltenes Bild, das kein Kirchen-Bild ist. Man kennt noch etwa 40 weitere Bilder von ihm.
Derick Baegert
WOHER ER LERNTE
Wesel war eine Hanse-Stadt. Das ist eine wichtige Handels-Stadt. Baegert lernte von Malern aus den Nieder-landen und West-falen.
Er lernte eine neue Öl-Malerei. Sie machte Bilder sehr wirk-lich-keits-nah.
Er lernte so zu malen:
Figuren, die echt aussehen.
Stoffe und Haut, die sich echt anfühlen.
Das Spiel mit Licht und Schatten.
Der Evangelist Lukas malt die Muttergottes (»Lukasmadonna«)
DERICK BAEGERT
um 1480/1485, LWL-Museum für Kunst und Kultur Münster, PDM 1.0
Derick Baegert
EIN BESONDERER AUFTRAG
Baegert bekam den Auftrag, eine Lukas-Madonna zu malen. Das Bild war für den Altar seiner Maler-Gilde St. Lukas. Baegert war Mitglied in dieser Gilde.
Die Lukas-Madonna ist sein einziges Bild mit einer Unter-schrift. Auf einer Vase im Bild steht: BAEG.
Manche Leute sagen: Baegert hat sich selbst in einem seiner Bilder gemalt. Das kann man nicht sicher beweisen.
Er war ein sehr guter Meister in der reichen Stadt-Gemeinde am Nieder-rhein.
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